FAQ
Inwieweit hängen die Übungsgruppen für GfK und für Focusing zusammen?
Es besteht die Möglichkeit, sowohl an der Gruppe zur GfK als auch der zu Focusing teilzunehmen. Man kann auch nur an einer Gruppe zu einem der beiden Themen teilnehmen.
Welche Vorkenntnisse sind vorausgesetzt ?
Keine.
Kann man einfach einmal unverbindlich zur Probe teilnehmen oder auch nur zugucken?
Ja, natürlich, das ist auch meist so, dass Leute so vorgehen. Man kann dann selbst entscheiden, ob bzw. inwieweit man sich bei diesem Treffen beteiligt, und inwieweit man danach zu späteren Treffen wiederkommt.
Muss man der Focusing-Gruppe oder bei einer Partnerübung einem Partner/einer Partnerin die eigenen Probleme genau erzählen, um daran arbeiten zu können?
Bei Gruppenübungen wie dem sog. Gruppenfocusing macht jede Person für sich Focusing und kann frei entscheiden, ob und was sie davon ggf. anschließend der Gruppe mitteilt.
Bei Partnerübungen (partnerschaftliches Focusing) entscheidet man ebenfalls selbst, was man der anderen Person mitteilen möchte. Ich kann zum Beispiel lediglich sagen: „Ich habe eine Angst vor etwas“, ohne zu erklären, wovor ich Angst habe. Ich kann ein Problem sogar „Problem X“ nennen, und dennoch dazu mit einem Partner oder einer Partnerin Focusing machen.
Inwiefern kann die Focusing-Methode und daher auch die Gruppe dazu auch für GfK-ler nützlich sein?
Der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, Marshall Rosenberg, hat Focusing gelegentlich empfohlen, einmal sogar öffentlich in einer TV-Sendung ungefähr 1990. Er sagte dort in einem Rollenspiel über seine Giraffenhandpuppe, die gerade mit einer heftigen Wolfsäußerung konfrontiert wurde (Die Giraffe repräsentiert in der GFK gewaltlose Kommunikation, der Schakal oder Wolf das Gegenteil – Marshall Rosenberg verdeutlicht das häufig mithilfe von Handpuppen dieser Tiere):
„Now the giraffe is glad that it has practiced Focusing because it has spent a lot of time learning how to get in touch with its feelings and needs [and] can give itself some emergency first aid empathy right now to deal with what’s going on so it can then focus its attention on the other person again.”
Sein Punkt hier ist also, dass man beim Focusing lernt, mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen, und dies ist natürlich auch im Kontext der GFK nützlich.
Außerdem kann man zum Beispiel auf der Grundlage von Focusingkenntnissen die GFK-Methode stellenweise verbessern.
Es kann z.B. sein, dass man ein Bedürfnis fühlt und mitteilen möchte, innerlich aber gar nicht ganz damit einverstanden ist, weil man gleichzeitig auch Vorbehalte dagegen hat. Man hat zum Beispiel das Bedürfnis nach Nähe, ist sich aber nicht so sicher. Dann wäre es irreführend, nur das Bedürfnis nach Nähe auszudrücken. Man könnte aber sehr gut zum Beispiel sagen: „Etwas in mir möchte Nähe“ oder „Ein Teil von mir möchte Nähe“. Das ist dann für einen selbst und für die andere Person klarer.
Inwiefern kann Gewaltfreie Kommunikation für Focusing-Leute nützlich sein?
Dazu hat Martin Siems, von dem in den Achtziger-Jahren ein sehr erfolgreiches Taschenbuch über Focusing erschien („Dein Körper weiß die Antwort“, rororo-Verlag), etwas gesagt. Er schrieb 2019 auf der Grundlage seiner jahrzehntelangen Erfahrungen mit vielen Methoden und vielen Teilnehmern an seinen Ausbildungen:
„Lange war ich davon ausgegangen, dass Menschen, wenn sie intensiv mit ihren Ängsten und emotionalen Belastungen arbeiten, automatisch besser kommunizieren können. Aber da habe ich mich geirrt. Das ist leider nicht der Fall. Deswegen habe ich seit einiger Zeit angefangen, zur Psychotherapie [in den Ausbildungen] zusätzlich Kommunikationstraining einzuführen, wobei wir uns zunächst an die „Gewaltlose Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg gehalten haben, der aus dem gleichen Hintergrund kommt wie Carl Rogers mit seiner personenzentrierten Psychotherapie und Gene Gendlin mit seinem Focusing…“
Was macht ihr konkret in den Focusing-Gruppen?
In der Focusing-Gruppe beginnen wir gewöhnlich mit einer Schweigeminute, die dazu da ist, dass jeder Gelegenheit hat, innerlich in der gegebenen Situation anzukommen.
Dann machen wir gewöhnlich eine Runde, in der jede anwesende Person etwas über sich sagen kann (nicht muss), z.B wenn viele Neue dabei sind, als Vorstellungsrunde oder als sog. Blitzlicht (dabei sagt man etwas dazu, wie es einem gerade geht). Als Nächstes überlegen wir gemeinsam, was wir bei diesem Treffen machen wollen, bzw. wenn etwas schon geplant war, klären wir ggf., die Einzelheiten. Danach richtet sich dann der weitere Verlauf.
Es kommen bei jedem Treffen praktische Übungen zur Focusing-Methode vor, es werden aber auch Erläuterungen und theoretische Erklärungen gegeben.
Wichtig ist auch, dass es keinen Zwang gibt, die Übungen mitzumachen. Man darf pausieren.
Und wie geht die GFK-Gruppe vor?
In der Vergangenheit war diese Gruppe gewöhnlich selbst organsiert, d.h. sie hatte keine Leitungsperson, sondern die Teilnehmenden haben z.B. abwechselnd Treffen vorbereitet.
Eine inhaltliche Möglichkeit zur Vorgehensweise, die schon recht erfolgreich ausprobiert wurde, besteht darin, sich an einem GFK-Lehrbuch zu orientieren, z.B. dem von Lucy Leu: „Gewaltfreie Kommunikation. Das 13 Wochen-Übungsprogramm – Ein praktischer Leitfaden für Übungsgruppen, Selbststudium und GFK-Kurse“.
Wie tauscht ihr euch über aktuelle Themen/Anliegen wie den nächsten Termin aus?
Wir haben eigene Telegram-Gruppen zu den beiden Übungsgruppen, in denen manchmal auch anderes Material (z.B. Youtube-Links) geteilt wird. Es ist keine Bedingung, dort dabei zu sein, aber es vereinfacht die Organisation der Gruppe.
Wie kann Focusing eingesetzt werden? Ist Eure Gruppe eine Therapiegruppe?
Zur Beantwortung dieser Frage ist es nützlich zu erklären, wie Focusing entstanden ist, denn einer der Ursprünge ist in der Tat der Therapiesektor. Man hat nämlich anhand von Transkripten von Psychotherapiesitzungen erforscht, wie erfolgreiche Klienten in Therapien mit ihrem eigenen Erleben umgehen, im Gegensatz zu weniger oder nicht erfolgreichen. Nachdem man das herausgefunden hatte, hat man zunächst versucht, diesen inneren Prozess, dem man den Namen „Focusing“ gegeben hat, den weniger erfolgreichen Klientinnen zu vermitteln, und das gelang auch.
Dann hat man probiert, ob Focusing auch funktioniert, wenn man es alleine für sich selbst macht, und auch bei „normalen“ Leute für alle möglichen Zwecke, z.B. zur Ideenentwicklung, Problemlösung, Selbstregulierung, Selbsterfahrung, Traumdeutung etc. Auch das funktionierte.
Später hat man herausgefunden, dass dieses sog. Selbsthilfe-Focusing für viele Menschen (nicht für alle) noch besser funktioniert, wenn eine andere Person auf eine bestimmte Weise einfach begleitend (d.h. vorwiegend „aktiv zuhörend“) dabei ist. Das führte dann zu der Version des „Partnerschaftlichen Focusings“, das gerade auch für Laien (von denen mindestens einer der Partner Focusingkenntnisse haben sollte) außerhalb des professionellen therapeutischen Kontexts gedacht ist: Dabei treffen sich mehr oder weniger regelmäßig zwei Personen (ggf. auch per Zoom), und zuerst begleitet die eine Person die andere eine bestimmte Zeitlang und dann tauschen sie die Rollen.
Es gibt auch noch das sog. Gruppenfocusing, wo eine Gruppenleiterin den Teilnehmern gleichzeitig Focusing-Instruktionen gibt (die aber nur Vorschläge, also nicht verbindlich, sind), und jeder für sich diese Instruktionen, soweit er sie passend findet, in der Gruppe umsetzt. Auch das Gruppenfocusing wird von vielen Teilnehmenden (nicht von allen) als hilfreicher erlebt als ein Focusing alleine.
Und last not least kann Focusing natürlich auch im Rahmen von professionellen Therapien behandlungsbedürftiger Krankheiten angewendet werden.
Was unsere Gruppe angeht, geht es uns ausschließlich um die genannten Anwendungen im Laienbereich (Selbsthilfe, partnerschaftliches Begleiten und Gruppenfocusing), wir sind in dem Sinne also keine Therapiegruppe. (Siehe auch die folgende Frage zur Belastbarkeit)
Setzt die Teilnahme eine bestimmte Belastbarkeit voraus?
Theoretisch ist Focusing ist eine sehr sanfte Methode. Es ist zumindest das Ziel, dass sich der Focusing-Prozess die ganze Zeit über angenehm anfühlen soll, auch wenn man ihn auf eigentlich unangenehme Themen wie Probleme bezieht. Die Methode beinhaltet daher auch, darauf im Verlauf des Prozesses zu achten („Ist es immer noch angenehm?“) und kennt Mittel, ggf. zu einem angenehmeren Prozess zurückzukehren.
Man kann Focusing auch damit vergleichen, wie vermutlich die meisten Menschen im Alltag mit ihrem eigenen Erleben umgehen, indem sie sich z.B. „zusammenreißen“, unangenehme Situationen „aushalten“, sich zu etwas zwingen, ohne auf Störgefühle zu achten, Ratschlägen anderer folgen, auch wenn sie gefühlt nicht passen, sich selbst verurteilen, in negativen Emotionen und Gedankenschleifen gefangen sind etc.
Focusing versteht sich als eine positive, nicht belastende Alternative zu derartigen Strategien.
Auf der anderen Seite gibt es sicherlich auch Umstände, unter denen Focusing und insbesondere eine Gruppe nicht empfehlenswert ist. In der Gruppe kriegen wir ja möglicherweise nicht mit, wenn es einem Teilnehmer oder einer Teilnehmerin unangenehm wird und wir könnten der Person vielleicht schwerer oder vielleicht sogar zu der Zeit nicht unmittelbar helfen, zu einem angenehmen Zustand zurückfinden. Es ist vielleicht vergleichbar mit Sportkursen, die ja im Prinzip gesund sind, aber wenn man mit einer offenen Wunde oder einem grippalen Effekt an einem Schwimmkurs teilnimmt, ist das doch nicht empfehlenswert.
Daher möchten wir für die Teilnahme gerne eine ausreichende Belastbarkeit voraussetzen, bzw. Leute, die daran Zweifel haben, sollten zur Absicherung eine kompetente Fachperson (z.B. einen Psychotherapeuten) zu Rate ziehen.
Habt Ihr Referenzen von Leuten, die an Euren Gruppen teilgenommen haben und denen es gefallen hat?
Ja, zu der Focusing-Gruppe gibt es mindestens 2 ehemalige Teilnehmer, die das auch öffentlich mitgeteilt haben:
Martin Bertele, der die Campusgiraffen-Gruppe zunächst nur als Gruppe für GFK gegründet hatte, hat Focusing durch die etwas später dazugekommene Focusing-Gruppe als Teilnehmer kennengelernt und sagt auf seiner Webseite, er sei „vom ersten Moment an begeistert“ gewesen. Er hat danach sogar selbst eine Focusing-Ausbildung gemacht und Weiterbildungen besucht und bietet heute selbst Gruppen und Einzelarbeit an. Seine Webseite hat bezeichnenderweise den Namen faszination-focusing.com.
Ein anderer früherer Teilnehmer, der zur Zeit seiner Teilnahme in Ausbildung zum tiefenpsychologischen Psychotherapeuten war und heute als solcher tätig ist, hat die Focusing-Gruppe mit diesen Worten empfohlen:
„Ich möchte gerne auf die kostenfreie Focusing-Gruppe aufmerksam machen, die sich in der Regel alle 2 Wochen trifft – entweder in Räumen der Uni (aber auch nicht Eingeschriebene sind herzlich willkommen) oder grad auch per Zoom. Focusing erlebe ich als eine total schöne Methode, spürend bei sich selbst anzukommen: Jedes Anliegen/Thema/Problem oder auch etwas Positives wie ein Hobby kann Ausgangspunkt sein, sich in einem meditativen begleiteten Prozess auf das einzulassen, was im Körper an Resonanz entsteht – und daraus unverkopfte weitere Schritte zu entwickeln. Kann die Gruppe wirklich sehr empfehlen.“ (Andreas K.)